KFF: Geschichtswerkstatt | Fritz-Schumacher-Kapelle


Vom Kleinod zum Schmuckstück

Detailfoto restaurierte Kapelle

Für die Finkenwerder Geschichtswerkstatt war dieses Jahr in der Fritz-Schumacher-Kapelle eine arbeits- und ereignisreiche Zeit. Galt es doch zunächst, das Häuschen möglichst funktionell auszustatten, ohne dabei den Raumeindruck zu beinträchtigen.

Im April waren sämtliche Anschaffungen erledigt und seit Mai ist das Gebäude regelhaft dienstags und donnerstags von 16.00 bis 20.00 Uhr geöffnet.

Im Mai wurde eine erste Ausstellung konzipiert, die anlässlich des 100sten Todestages von Johann Kinau (Gorch Fock) an den Ersten Weltkrieg erinnerte. Dazu wurden Feldpostkarten zu­sammen­gestellt, die von einer Finkenwerder Familie stammen.


Vernissage war am 1. Juni. Im September fand dann die Frei­legung der Baumalerei an der Laibung der inneren Holzver­täfelung statt. Offenbar stammen die Entwürfe ebenfalls von Fritz Schumacher aus dem Jahre 1927.

Dank einer Förderung durch die Stiftung Denkmalpflege Hamburg konnte die Restaurierung der Malerei beginnen. Mit einem Skalpell entfernte die Restauratorin Angelika Fischer-Menshausen mit ihren Mitarbeiterinnen die weiße Farbschicht. 

Peau á peau zeigte sich auf dem Holzrahmen des inneren Portals das ursprüngliche Muster in gedeckten Blau- und Rottönen mit senf­gelben Linien. Inzwischen ist der Weißlack komplett abgetragen.

Gut sechs Kilogramm wogen die abgekratzten weißen Krümelchen, wie wir anhand des Inhalts des Staubsauerbeutels feststellten. Anschließend wurde der Rahmen behutsam restauriert und geschützt.


Während der gesamten Tätigkeit hielt die Restauratorin engen Kontakt mit dem Denkmalschutzamt. Es geschieht nicht oft, dass in den Schumacherbauten der ursprüngliche Raumschmuck noch so gut erhalten ist. Die kleine Kapelle ist nicht nur ein architektonisches Kleinod, sie beherbergt auch im Innern ein richtiges Schmuckstück und damit ein wertvolles Kulturerbe für Finkenwerder. Die Kapelle ist im Winterhalbjahr nach Bedarf geöffnet.  

 

Fritz-Schumacher-Kapelle, Alter Friedhof Finkenwerder, Norderkirchenweg, 21129 Hamburg

Anmeldungen unter Tel. 040 - 742 7992 oder hfgeschichtswerkstatt@t-online.de


Nutzungsvereinbarung KFF - Bezirk Hamburg-Mitte

Viele Jahre verwahrloste  die kleine Kapelle auf dem Alten Friedhof Finkenwerder immer mehr. Schließlich war sie mit Graffiti beschmiert und sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen. Sie wurde ohnehin nur noch von der Friedhofsverwaltung als Abstellraum genutzt. Es drohte der Abriss. Dabei stand sie auf der Denkmalliste der Kulturbehörde. Denn es handelte sich um ein Bauwerk, das nach den Entwürfen von Fritz Schumacher 1926/27 errichtet wurde, zusammen mit den von ihm entworfenen Prunkpforten an den Eingängen zum Friedhof. 

 

Mit der Änderung des Denkmalschutzgesetzes in Hamburg 2013, wurden alle Objekte aus der Denkmalliste automatisch Denkmäler.  Doch bereits vorher hatte sich der Regionalausschuss in Finkenwerder für den Erhalt und eine Sanierung entschieden. Allerdings unter einer Vorrausetzung: eine sinnvolle, ortsgebundene und nachhaltige Nachnutzung  innerhalb eines gemeinnützigen Vereins sollte erneuten Vandalismus verhindern.

 

Der „Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme“,  1996 als Initiative gegründet, wollte den Abriss auf jeden Fall verhindern und wurde unter der Rubrik –Geschichtswerkstatt- als Mitglied bei der „Kunstförderung Finkenwerder e.V“ (KFF) aufgenommen.  Mit einem Nutzungskonzept, vereinbar mit der Friedhofsordnung, bewarb sich der Arbeitskreis mit dem KFF erfolgreich um eine Nachnutzung.

 

 Allerdings dauerte es noch bis Dezember 2014, bevor die Sanierungsarbeiten endlich in Angriff genommen werden konnten. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen und eine Nutzungsvereinbarung zwischen dem KFF und dem Bezirk Hamburg-Mitte unterschrieben.

 

Der Arbeitskreis nennt sich inzwischen „Finkenwerder Geschichtswerkstatt“ und ist gerade dabei, eine Basisausstattung für die neue Nutzung zusammen zu tragen.  Es ist eine große Freude und gleichzeitig Herausforderung, das renovierte Kleinod mitten im Herzen von Finkenwerder als Ort des Erinnerns, des Miteinanders und der Begegnung neu nutzen zu dürfen. Für Menschen, die daran teilhaben möchten, planen wir  einen „Freundeskreis Fritz-Schumacher-Kapelle“ zu gründen.


Nutzungskonzept Kapelle Alter Friedhof Finkenwerder

Im Rahmen der Geschichtswerkstatt vom Finkenwerder Arbeitskreis Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme — Arbeitstitel:  „Dialog“

Alter Friedhof Eingang

Alte Friedhöfe können viel erzählen. Sie sind zugleich historische Orte und grüne Oasen.

 

Der Alte Friedhof Finkenwerder besitzt darüber hinaus ein architektonisches Kleinod Hamburgs. Die Kapelle wurde nach Plänen von Fritz Schumacher 1926/27 errichtet. Das gilt auch für die Eingangstore, die den Hofpforten des Alten Landes nachempfunden sind.


Allerdings befindet sich die Kapelle auf dem .Alten Friedhof Finkenwerder zurzeit in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Die Außenwände sind mit Graffiti beschmiert, die Fensterscheiben und Türen zum Teil beschädigt.

Die bezirklichen Gremien haben sich für den Erhalt und die Sanierung des Schumacher-Baus ausgesprochen sowie für ein langfristiges und nachhaltiges Nutzungkonzept.

 

Der Innenraum dient als Abstellraum für die Friedhofsgärtnerei und ist in einem vergleichs-weise passablen Zustand. Im Hauptraum ist der untere Wandbereich bis zu einer Höhe von ca. 1,30cm farblich abgesetzt und mit einer Abschlussleiste versehen. Ansonsten sind die Wände weiß gestrichen.

 

Der Innenraum ist zurzeit nicht zugänglich und im jetzigen Zustand wirkt die Kapelle nicht als integraler Bestandteil des Alten Friedhofs, sondern als Fremdkörper. Die einstige Einheit von Kapelle und Friedhof ist aufgehoben, die Kommunikation unterbrochen und gestört.


Der Alte Friedhof Finkenwerder ist noch bis 2024 als Friedhof in Betrieb, obwohl dort keine Bestattungen durchgeführt werden. Gleichwohl ist er mit der Kapelle und den Friedhofstoren von Fritz Schuhmacher gegenüber der evangelischen Kirche St. Nikolai zu Finkenwerder und der katholischen Kirche in unmittelbarer Nachbarschaft ein zentraler Ort in Finkenwerder.

 

Darüber hinaus ist er auch für den Zeitraum von 1927 bis zur Einrichtung des Neuen Finkenwerder Friedhofs in Finkenwerder 1950 ein Erinnerungsort für Familien, die hier ihre Toten begraben haben. Gleichzeitig verweisen bestimmte Grabfelder alle Besucher auf historische Ereignisse hin, die im 20sten Jahrhundert ganz Europa erschütterten:

 

Zu nennen sind die Grabstätten für die zivilen Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs in Finkenwerder und die Gräber für die Gefallenen. Zudem war der Friedhof der Ort, wo die Leichen russischer Kriegsgefangener und weitere Zwangsarbeiter bei ihrem Einsatz in Finkenwerder während der Nazizeit verscharrt wurden, ein unmarkierter Bereich unweit der Kapelle.

Der Friedhof wurde im „Dritten Reich“ auch für Propaganda-Zwecke genutzt. An diesem Ehrenmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen Finkenwerder fand anlässlich der 700-Jahrfeier 1936 dort eine pompöse Gedenkfeier statt.

Der Verein „Kunstförderung Finkenwerder“ möchte die Kapelle und den Friedhof als historischen Ort für Finkenwerder Bürger neu erfahrbar machen, indem sie zu einem zentralen Gedenk-Ort wird. Das Nutzungskonzept betrachtet die Kapelle und den Friedhof als Einheit.

 

Geplant ist, die Geschichte des Friedhofs, der Kapelle und des Ehrenmals mitsamt einem Lageplan des Friedhofs mit den geschichtlich relevanten Gräberfeldern durch Informations-tafeln für Besucher nachvollziehbar zu machen. Dadurch wird die Verbindung zwischen Kapelle und Friedhof wieder geknüpft und die Beziehung zwischen Innen und Außen wieder hergestellt.


Gleichzeitig verfügt die Geschichtswerkstatt im unseren Verein über viele Zeugenaussagen und Informationen hinsichtlich der hier beigesetzten und auch verscharrten Personen und die historischen Hintergründe. Es ist geplant, diese Informationen mit wechselnder Thematik in unterschiedlichen Ausstellungsmodulen für die Besucher aufzubereiten. Das ermöglicht dem Betrachter, die „begrabene“ Vergangenheit über authentische Berichte zu erfahren.

 

Diese thematischen Ausstellungen ermöglichen „Dialoge“ zwischen den verschiednen Gräberfeldern und damit eine Auseinandersetzung mit den Ereignissen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa und dessen Auswirkungen auf die Ortsgeschichte. So entsteht ein besonderer „Gedenkort Alter Friedhof Finkenwerder“, nicht nur für die Angehörigen der hier Bestatteten, sondern für alle Finkenwerder und Besucher des Ortes.

 

Die Kunstförderung Finkenwerder e.V. verfügt über beste Kontakte zu sämtlichen Finkenwerder Schulen. Für die Herstellung der Ausstellungsmodule ist die Kooperation mit dem Finkenwerder Gymnasium sowie der Stadtteilschule Finkenwerder vorgesehen. Wir planen in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Lehrern für Geschichte, Gemeinschaftskunde und Kunst ein selbst gewähltes Thema aus der Zeit zu bearbeiten und die Ergebnisse in der Kapelle auszustellen. Darüber hinaus bemühen wir uns um interessante Wanderausstellungen vergleichbarer Initiativen, die vom Inhalt und den Abmessungen passend sind.

 

Eine Doppelnutzung als „Gedenkort“ und „Bildhauerworkshop“ ist noch nicht geklärt. Um zumindest einen Schutz vor erneutem Vandalismus nach der Sanierung in Aussicht zu stellen, bemühen wir uns zurzeit um eine „Kapellenpatenschaft“ durch die gegenüberliegende Westerschule.

 

KFF (28.04.2012)


Termine zum Hergang

15.05.2012:  Sondierung für Übernahme der Trägerschaft der Zwangsarbeiter-Gedenkstätte durch den KFF mit den Verantwortlichen im Regionalausschuss Finkenwerder - siehe Tagesordnung

11.04.2012: KFF übernimmt Trägerschaft der alten Fritz-Schumacher-Kapelle

In der gestrigen Regionalausschusssitzung des Bezirksamtes wurde die Übernahme der alten Fritz-Schumacher-Kapelle als lebendige Gedenkstätte durch den KFF als Träger einstimmig durch alle Fraktionen positiv abgestimmt (keine Enthaltungen!). Damit ist auch eine Sanierungsfinanzierung genehmigt, die der KFF nun gemeinsam mit den Vertreterinnen der Geschichtswerkstatt und dem Amt im Einzelnen durchgehen können.


Gedenkstätte auf dem Friedhof Finkenwerder

Inzwischen planen wir ein neues Projekt. Wir möchten gerne die Fritz-Schumacher-Kapelle auf dem alten Friedhof als Gedenkort nutzen.

Der Bezirk möchte die Kapelle sanieren und der Regionalausschuss Finkenwerder unterstützt unser Vorhaben.

Bei unserer Veranstaltung im Mai 2011 führten wir die Besucher über den Alten Friedhof und konnten auch den Innenraum besichtigen. 

 

Hier würden wir gerne wechselnde Ausstellungen mit Jugendlichen aus Finkenwerder gestalten und über die Geschichte des Friedhofs mit der Kapelle, dem Ehrenmal von dem Bildhauer Kuhöl und die verschiedenen Gräberfelder informieren.

Kapelle Alter Friedhof Innenraum, Mai 2011

Kapelle Alter Friedhof Innenraum, Mai 2011


Die Kapelle auf dem Friedhof im jetzigen Zustand

Die Kapelle auf dem Friedhof
im Zustand Mai 2011

Die Kunstförderung Finkenwerder (KFF) hat sich bereit erklärt, die Trägerschaft zu übernehmen. Wir hoffen sehr, dass die Kapelle bald instand gesetzt wird, denn zurzeit befindet sie sich noch in einem jämmerlichen Zustand (siehe Foto links). 

 

In der neu eingerichteten Abteilung Geschichtswerkstatt der KFF möchten wir den Teil der Geschichte Finkenwerders bearbeiten, der sonst eher nicht im Fokus der Heimatforscher steht und laden dazu herzlich Alle ein.

 

Helmke Kaufner