KFF: Geschichtswerkstatt | unsere Geschichte

Anlass für die Gründung war die Einweihung des Mahnmals für die Opfer des Naziterrors am 16.12.1996 auf dem ehemaligen Gelände Außenlager Deutsche Werft des KZ Neuengamme in Finkenwerder. Die medienwirksame Übergabe rückte eine Epoche der Ortsgeschichte in das öffentliche Bewusstsein, die lange Zeit verdrängt, verharmlost, verleugnet und unterdrückt wurde.

 

Die Anwesenheit des ehemaligen dänischen KZ-Häftlings Ernst Nielsen ermöglichte uns die erste Kontaktaufnahme zu einem Zeitzeugen. Von ihm erhielten wir wertvolle Informationen über seine Zeit im Außenlager.  

 

Wir entschlossen uns, es nicht bei dem singulären Ereignis zu belassen, sondern diesen Aspekt der Ortsgeschichte zu recherchieren und die Ergebnisse regelmäßig öffentlich zu präsentieren. Mit der damaligen Finkenwerder Pastorin Hannegreth Riepkes gründeten wir gemeinsam Anfang 1997 den Arbeitskreis.

 

Ziel war und ist es, das gesamte Spektrum der Nazi-Verbrechen an den unterschiedlichen Opfer- und Tätergruppen mit Ortsbezug zu benennen, das damalige gesellschaftliche Umfeld zu reflektieren, widerständige Handlungen und Haltungen aufzuzeigen und Darstellungen in Orts-, Firmen- und Kirchenchroniken der Nachkriegszeit kritisch zu hinterfragen.

 

Unsere aktive Erinnerungskultur soll das Schweigen beenden, die Opfer würdigen und die nachfolgende Generation über die Verbrechen und Hintergründe informieren. Mit dieser ortsgebundenen Aufklärungsarbeit soll gleichzeitig vermittelt werden, dass Willkür und Terror nicht nur irgendwo weit weg stattfand, sondern überall systemimmanenter Alltag

einer menschenverachtenden Ideologie war.

 

Durch Aufrufe in der örtlichen Presse und durch Befragungen von Ortsansässigen erhielten wir Berichte und Aussagen von Zeitzeugen. Es meldeten sich vor allem Menschen, die als Kinder und Jugendliche die Schreckensherrschaft miterlebt hatten und häufig zum ersten Mal über ihre Erlebnisse berichten konnten. Über den Freundeskreis der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, der Gedenkstätte selbst und eigene Nachforschungen bekamen wir Kontakt zu Opfern, bzw. deren Angehörigen.

 

Erste Ergebnisse wurden am 09.11.1998, dem 60. Jahrestag der Pogrome, mit einem Rundgang im Ort und einer Veranstaltung mit Zeitzeugen im Sitzungssaal des Ortsamtes präsentiert. Hilfreich war in diesem Zusammenhang, dass der damalige Ortsamtsleiter, Uwe Hansen, unserer Arbeit wohlwollend gegenüberstand.

 

Denn das gesellschaftliche Umfeld für die Aufarbeitung dieser Zeit ist in einem eher ländlich geprägten Vorort von Hamburg ungünstig, da führende Persönlichkeiten zur damaligen Zeit auch heute noch im Ort eine hohe Wertschätzung erfahren. Eine Verquickung dieser Personen mit dem Naziregime wird daher als Herabwürdigung angesehen und als „Nestbeschmutzung“ verstanden und ist außerdem „doch schon viel zu lange her“. Die erste Veranstaltung war trotzdem gut besucht und eine Ermutigung für den Arbeitskreis. Jens Homann schloss sich uns an, aber durch den Umzug von Frau Riepkes verloren wir eine engagierte Mitstreiterin.

Kranzniederlegung

Bereits 1998 verteilten wir an die Besucher Flyer, die in groben Zügen über den Arbeitskreis informierten und die Inhalte der Veranstaltung wiedergaben, eine Praxis, die wir bis heute beibehalten haben.

Sie zeigen die thematische Breite unserer Veranstaltungen.

 

Außerdem legen wir Listen aus. Hier können sich Besucher eintragen, die in Zukunft eine persönliche Einladung erhalten wollen. Seit 1998 organisieren wir mindesten eine, maximal drei Veranstaltungen im Jahr und verbinden das im November auch mit einer Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer. Die Ansprachen werden von den Arbeitskreismitgliedern im Wechsel gehalten.

 

An dem Kranz sind inzwischen alle im Regionalausschuss vertretenden Parteien sowie die Ev.-luth. Kirchengemeinde und die Karmel Klosterzelle in Finkenwerder mit einer Spende beteiligt.


In der offiziellen Stadtteilbroschüre informieren wir seit 2008 über unseren Arbeitskreis, so dass auch Neubürger von uns Kenntnis erhalten.

 

Zu jeder unserer Veranstaltung versenden wir inzwischen Einladungen an über 100 Interessierte, die sich bisher in unseren Listen eingetragen haben. In vergrößerter Kopie nutzen wir sie auch für die Aushänge in den Geschäften und an Informationstafeln im Ort. Unsere Besucherzahl liegt zwischen10 und 80 Personen. Zielgruppe sind die Finkenwerder Einwohner und die Lehrer und Schüler an unseren Schulen. Zusätzlich erreicht Frau Luth mit ihren Andachten auf Plattdeutsch im NDR, in denen sie die Begegnungen mit den ehemaligen Opfern schildert, eine große Hörerzahl.

 

Für unsere eigene Weiterbildung nehmen wir an den Außenlager-Tagungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme teil und an Exkursionen des Freundeskreises.

 

Alle unsere Themen haben einen direkten oder indirekten Bezug zum Stadtteil und sollen möglichst die ganze Bandbreite von Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung und Ausbeutung bis zur Vernichtung umfassen, denen die Menschen in der Nazizeit ausgesetzt waren. Da in Altenwerder niemand mehr wohnt, wird das Gelände von uns mit bearbeitet.

Von der Stiftung Auschwitz-Komitee erhielten wir 2010 den Hans-Frankenthal-Preis, der in dem Jahr zum ersten Mal verliehen wurde. Hans Frankenthal war ein ehemaliger Häftling in Auschwitz-Morowitz und langjähriges Mitglied im Komitee der Auschwitz-Überlebenden. 

 

Die Laudatio schrieb der Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, Detlef Garbe. Diese Ehrung war mit einem Preisgeld von € 1000,00 verbunden. 

Verleihung  Hans-Frankenthal-Preis

Noch wichtiger war allerdings die damit verbundene moralische Unterstützung für unsere Arbeit. Gleichzeitig bedeutete es eine sehr willkommene Motivation für die Fortsetzung unserer Arbeit. Inzwischen planen wir ein neues Projekt. Wir möchten gerne die Fritz-Schumacher-Kapelle auf dem alten Friedhof als Gedenkort nutzen. Der Bezirk möchte die Kapelle sanieren und der Regionalausschuss Finkenwerder unterstützt unser Vorhaben. Bei unserer Veranstaltung im Mai 2011 führten wir die Besucher über den Alten Friedhof und konnten auch den Innenraum besichtigen.